IOG Magazin

Jubiläum

10 Jahre Initiative Offene Gesellschaft

Welches Land wollen wir sein? Diese Frage steht am Anfang unserer Geschichte – und sie ist heute genauso relevant wie vor zehn Jahren.

Hannah Göppert

3. August 2026

3 Min. Lesezeit

Welches Land wollen wir sein?

Diese Frage steht am Anfang unserer Geschichte – und sie ist heute genauso relevant wie vor zehn Jahren.

2016 prägten der erstarkende Rechtspopulismus, Brexit und die Wahl von Trump die gesellschaftliche Debatte. Es war spürbar, dass sich der gesellschaftliche Ton verändert und dass eine offene Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit ist. Uns wurde deutlich: Eine offene Gesellschaft muss gestaltet, verteidigt und immer wieder neu ausgehandelt werden.

Deshalb brauchte es neue Formen des Miteinanders: Räume für Gespräch, Beteiligung und gemeinsame Aushandlung. Aus dieser Überzeugung heraus entstand die Initiative Offene Gesellschaft. Unser Ziel war klar: die Freund*innen der offenen Gesellschaft sichtbar machen, vernetzen und zeigen, dass sie die Mehrheit sind.

Zehn Jahre später wissen wir: die Frage von damals ist nicht kleiner geworden, ganz im Gegenteil. Unsere Gründer Stefan Wegner, Alexander Carius, André Wilkens und Harald Welzer hatten 2016 ein feines Gespür für die gesellschaftlichen Entwicklungen. Was damals als wichtige Aufgabe begann, ist heute dringlicher denn je.

Im Juni haben wir mit vielen Wegbegleiter*innen unser zehnjähriges Bestehen gefeiert. In einer Zeit, in der die offene Gesellschaft und die Demokratie unter Druck stehen, war das ein besonderer Moment zurückzublicken, Erfolge zu feiern und neue Kraft zu schöpfen.

Unser Jubiläum ist deshalb nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zum Zurückblicken, was wir bisher erreicht haben: zum Beispiel der erste landesweite Bürgerrat in Sachsen, die Gründung des trinationalen Demokratienetzwerks Faktor D mit dem jährlichen Mitmacht-Festival, der Eröffnung des Dokumentationszentrums zum NSU-Komplex in Chemnitz, tausende Tafeln in zehn Jahren Tag der Offenen Gesellschaft oder Beteiligungsprozesse in Kommunen von Görlitz bis Saarbrücken. So unterschiedlich diese Projekte auch waren, sie haben uns immer wieder gelehrt: Spaltung lässt sich überwinden, Empathie kann man trainieren, und gute Beteiligung schafft Vertrauen.

Was kommt als Nächstes?

Unsere Rolle bleibt klar: Wir bringen Menschen zusammen. Denn Demokratie funktioniert nur, wenn wir miteinander reden statt übereinander, Unterschiede aushalten, statt sie zu verschärfen und gemeinsam Lösungen entwickeln. So fördern wir Verständigung, bauen Brücken über gesellschaftliche Gräben und stärken den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Demokratie entscheidet sich nicht nur in Parlamenten. Sie entsteht überall dort, wo Menschen zusammenkommen: in Schulen, Bibliotheken, Vereinen, Rathäusern, Nachbarschaften und digitalen Räumen. Genau dort wollen wir künftig noch stärker wirken. Gemeinsam mit Kommunen, Bildungseinrichtungen, Bibliotheken und weiteren Partnern schaffen wir Räume, in denen Menschen Unterschiedlichkeit nicht als Bedrohung erleben, sondern als Ausgangspunkt für gemeinsames Handeln.

Unsere Vision ist eine Gesellschaft, die Vertrauen stärkt, Beteiligung ermöglicht und demokratische Kultur im Alltag erlebbar macht. Eine Gesellschaft, die Konflikte konstruktiv austrägt, statt sie zu verschärfen. Dafür setzen wir uns für die Räume, Strukturen und Begegnungen ein, die Zusammenhalt fördern und demokratisches Miteinander ermöglichen.

Danke an alle, die uns in den vergangenen zehn Jahren unterstützt und begleitet haben. An alle, die mit uns die verrücktesten Ideen ausgeheckt, Projekte realisiert und mit angepackt haben.

Die offene Gesellschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Damit Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt auch morgen Bestand haben, braucht es genau das: Menschen, die sich einbringen. Danke für eure Unterstützung!


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